Vor langer Zeit haben Obi und ich geplant, Mitte Oktober noch mal einen Overnighter zu machen. Als das Wochenende näher rückte, war die Vorhersage bombastisch. Ideal zum Zelten. Als das Wochenende noch näher rückte, war die Vorhersage plötzlich Kacke zum Zelten. Gut, dass wir Verena haben, die für uns eine schnucklige, feste Unterkunft in einem ausgebauten Bauwagen mitten im Odenwald gefunden hat.
Los ging es am Samstag mit der S-Bahn von Berkersheim nach Langen. Hätte nicht gedacht, dass die S-Bahn samstags morgens so voll ist. In Langen angekommen, setzte leichter Regen ein. Mist! Na gut, dann ging es erstmal zum Fisch Rath zum zweiten Frühstück, Matjesbrötchen und ein Glas Weißwein. Irgendwie muss man sich das Wetter ja schön machen. Und boah, der Matjes war schweinelecker. Wir zogen die Regenklamotten an und weiter ging’s.
Im Nieselregen kamen wir an der Grube Messel an. In den 90er (92 oder 93) Jahren hat Obi hier im Rahmen eines Praktikums während seines Geologiestudiums mit Schippchen und Schäufelchen gespielt. 1995 wurde die Grube Messel dann UNESCO-Weltnaturerbe. Die Grube Messel war ursprünglich ein Ölschiefer-Tagebau. Berühmt wurde die Grube aber für ihre sehr gut erhaltenen Fossilienfunde, insbesondere die Fossilien der Urpferde, die hier geborgen wurden. Bisher wurden über 70 dieser Urpferde-Fossilien ausgegraben.
Weiter ging es in den vorderen Odenwald über Reichelsheim nach Bockenrod. Die alte Mühle beherbergt heute ein Café und eine Kunsthandwerkwerkstatt. Die Mühle wurde um 1730 erbaut. Der letzte Müller war Jakob Treusch V., der die Mühle bis 1960 betrieb. Weiter ging es durch das Ostertal tiefer in den Odenwald hinein. Hier ist die Zeit ein bissel stehen geblieben. Die alte Eisenwarenhandlung in Unter-Ostern ist ein stummer Zeuge von besseren Zeiten. Und für uns ging es die letzten 6 Kilometer stetig bergauf bis zu unserer Unterkunft. Teilweise betrug die Steigung 15%. Danke, Verena 😉!
Als wir bei unserer Unterkunft auf dem Mooswiesenhof ankamen und den Bauwagen sahen, waren wir sofort begeistert. Kennt ihr noch die Sendung „Löwenzahn“ mit Peter Lustig? So haben wir uns gefühlt. Unser Gastgeber Christian hatte uns vorher schon Anweisungen geschickt, wie wir zum Wagen kommen und dass er offen ist, da er selbst bei unserer Ankunft nicht da ist.
Wir richteten uns erstmal ein und heizten den Kamin an. Ausreichend Holz war vorhanden. Im Wagen spannten wir eine Wäscheleine, um unsere nassen Klamotten zu trocknen. Der Kamin heizte den Wagen ganz schön ein und uns standen die Schweißperlen auf der Stirn. Wir waren kurz davor, uns nur mit einem Handtuch hinzusetzen und einen Aufguss zu machen. Christian kam kurz noch vorbei, um uns zu begrüßen, und wir haben uns sehr nett unterhalten. Wir sagten ihm, dass wir zum Abendessen „Zum Schardhof“ wollten. Er gab uns noch mit, dass wir einen schönen Gruß von Christian bestellen sollen. Alles sehr familiär hier. In der Gaststätte lief auch der Kamin und es war angenehm warm in der Gaststube. Wir bestellten im Odenwald natürlich ein Kochkäseschnitzel. Bei unserem Getränk lauschten wir dem Knistern des Kamins und der Köchin, die gerade unsere Schnitzel klopfte. Das Essen war vorzüglich. Gesättigt machten wir uns auf den Rückweg und verbrachten einen gemütlichen Abend im Bauwagen.
Am nächsten Morgen wurden wir vom Trommeln der Regentropfen auf dem Bauwagendach geweckt. Obi hat erst mal einen Scheit im Kamin angezündet, um es etwas gemütlicher zu machen. Nach dem Frühstück, wofür wir alles Notwendige mitgebracht hatten, machten wir uns wieder auf den Rückweg in Richtung Frankfurt. Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Der Herbst zeigte sich von seiner typischen Seite. Die Landschaft war vom Nebel eingehüllt, der sich aber nach und nach verzog und die bunten Farben des Herbstes kamen zum Vorschein.
Die ersten 15 Kilometer gingen es nur bergab. Das kam uns entgegen, denn wir wollten rechtzeitig in Beerfurth sein. Dort befindet sich die älteste Lebkuchenbäckerei des Odenwaldes. Seit 1785 werden hier Lebkuchen gebacken und sonntags ist bis zur Mittagspause um 12 Uhr geöffnet. Nachdem wir uns mit Leckereien eingedeckt hatten und alles in einem Karton auf Obis Gepäckträger verstaut hatten, ging es weiter. Die Strecke bis Nieder-Klingen war wellig, und es gab immer wieder kleine Anstiege, die Obi mit den Lebkuchen hochgefahren hat.
Hinter Nieder-Klingen verließen wir das Reinheimer Hügelland und somit den Odenwald. Es wurde deutlich flacher. Obi meinte, das ist hier ja wie in der Lüneburger Heide. Es war aber das Dieburger Becken. Zwischen Nieder-Klingen und Habitzheim kamen wir an der Bundenmühle vorbei. Bei der Mühle wurden die Außenszenen der in den 80er Jahren bekannten ZDF-Serie „Diese Drombuschs“ gedreht. Heute ist die um 1700 gebaute Mühle nur noch ein Lost Place, der zusehends verfällt. Ein Brand im Jahre 2024 hat diesen Verfall nur noch beschleunigt.
Unsere Tour endete in Rodgau-Nieder-Roden. Von dort ging es mit der S-Bahn wieder heim.
Obi und ich waren von der Tour und Landschaft begeistert. Besonders unsere Unterkunft im Bauwagen bei Christian hat es uns angetan. Wir waren auf alle Fälle nicht das letzte Mal dort. Falls Ihr Interesse habt, den Bauwagen bei Christian kann man via Airbnb buchen.
Bis bald,
Obi und Gimli























































Vielen Dank für die gemeinsame Tour und den schönen Bericht! Allerdings tun mir die Gräten heute ganz schön weh 🤪. Tja, der Odenwald ist halt nicht die Wetterau 💪. Freue mich auf den nächsten Overnighter 🤩. Liebe Grüße Obi